1. Mai 2009
Autor: Stefanie

 

An unsere Kunden, Freunde und alle anderen Leser:

Mundschutzmasken, Nachrichtensendungen, Sicherheitsmaßnahmen und besorgte Kunden und Angehörige. Das sind die Stichworte, die seit letzten Freitag unser alltägliches Leben hier in Mexiko bestimmt haben. Wenn man sich heute die extrem abgeschwächten Nachrichten anschaut, fragt man sich wirklich “für was das alles”? Ich finde es immer wieder erstaunlich was für eine Macht die Presse über die Bevölkerung hat.

Damit auch Ihr einen Eindruck davon bekommt wie sich der ganze Wahnsinn hier in Mexiko, dem angeblichen Ursprungsland der Schweinegrippe  abgespielt hat und wie wir, das Team von Buenos Dias Mexico das Ganze erleben, möchte ich hier für Euch einen kleinen Artikel verfassen.

Angefangen hat alles genau vor einer Woche als ich plötzlich panische Mails aus Deutschland bekam mit dem Inhalten wie  ”Hast Du schon von der gefährlichen Schweinegrippe in Mexiko gehört” , “Sag mal ist das wirklich so schlimm, da sterben ja so viele Leute”… Zu diesem Zeitpunkt habe ich selbst noch nich geahnt was auf uns zukommt. Umso erschrockener war ich als ich dann im Internet die deutschen Nachrichten geschaut habe. “Tödliche Schweinegrippe fordert Dutzende Todesopfer in Mexiko”, “Hunderte infiziert”, ” Grenzen werden geschlossen”. Ich meine klar bemerkt man einen deutlichen Unterschied zwischen seriöser Presse und Boulevardpresse, welche zu maßlosen Übertreibungen neigt, aber in diesen ersten Tagen war sogar die Tagesschau sehr besorgniserregend. Hier in Mexiko wurde natürlich auch Panik verbreitet. In den folgenden Tagen nach Freitag, dem 25.04. wurde es immer schlimmer. Während es zunächst hieß es sei nur Mexiko City betroffen wurden plötzlich Zahlen von Infizierten und Toten aus weiteren Bundesstaaten veröffentlicht und landesweit brach eine Massenhysterie aus. Sogar hier in Querétaro hatte plötzlich jeder Zweite einen Mundschutz im Gesicht und die Supermärkte wurden leergekauft wie vor einem vermeindlich bevorstehenden Atomkrieg. Dazu ist zu sagen, dass in Querétaro nicht ein einziger bestätigter Fall gemeldet wurde. Die Schulen hatten mittlerweile schon in der gesamten Republik geschlossen. Verständlicherweise haben auch sämtliche Kunden Ihre Mexikoreise abgesagt, was ja auch völlig nachvollziehbar ist bei dieser Berichterstattung. Ich meine wer will schon in ein Land reisen wo die Leute angeblich wie Fliegen an einer hochgefährlichen Epidemie sterben?!

Da ich keine Lust mehr auf die übertriebenen Medien hatte, habe ich den Entschluss getroffen mir meine Meinung aufgrund der von der WHO (World Health Organisation) veröffentlichten Fakten zu bilden. www.who.int

Dann am 28.04. die große Erleichterung: 28 April 2009–The situation continues to evolve rapidly. As of 19:15 GMT, 28 April 2009, seven countries have officially reported cases of swine influenza A/H1N1 infection. The United States Government has reported 64 laboratory confirmed human cases, with no deaths. Mexico has reported 26 confirmed human cases of infection including seven deaths” *Quelle http://www.who.int/csr/don/2009_04_28/en/index.html

Wie jetzt? Gestern hieß es doch noch 159 Tote und 1600 Infizierte oder so ähnlich, dachte ich mir. Zu dem Zeitpunkt ging ich von einem Irrtum der WHO aus, aber tatsächlich, die Zahlen stimmten, am Abend wurde hier in Mexiko live die Pressekonferenz des Gesundheitsministers übertragen, welcher die neuen Zahlen bestätigte und die voherigen revidierte.Verständlicherweise machte sich Verwirrung breit. Wie kann es sein, dass Mexiko enorme Zahlen von lediglichen Verdachtsfällen veröffentlicht, die dann weltweit als bestätigte Fälle kommuniziert werden? Damit hat die mexikanische Regierung nicht nur der eigenen Wirtschaft geschadet, sondern hat nebenbei auch eine weltweite absolut unbegründete Panik ausgelöst. Abgesehen davon, ist es nicht seltsam, dass die USA laut WHO mehr bestätigte Fälle haben aber dort nicht die komplette Wirtschaft lahmgelegt werden muss und niemand über Flugverbote diskutiert? Das Argument mit den Todesopfern ist zunächst nachvollziehbar aber man muss auch betrachten, dass es in Mexiko City sehr viele Menschen ohne Krankenversicherung gibt, die über die finanziellen Mittel verfügen, bei Grippesymptomen zum Arzt zu gehen und sich behandeln zu lassen. Entwickelt sich hier eine gefährliche Lungenentzündung, kann es schon zu spät sein, denn das ist bei der normalen Grippe nicht anders als bei der Schweinegrippe. Hierzu noch ein paar Zahlen: In Deutschland sterben ca. 20.000 Menschen jährlich am Grippevirus und in Mexiko sogar bis zu 250.000. Aus diesen Ziffern lässt sich leicht errechnen wie viele Menschen aus diesem Grund pro Tag sterben und in Anbetracht dazu ist die Zahl 7 nicht allzu tragisch.

Außerdem ist seit einigen Tagen bekannt, dass der H1N1Virus bisher nicht gefährlicher oder aggressiver als die normale Grippe und leicht heilbar ist. Leider kann es passieren, dass sich dieser während der Pandemie verschlimmert, aber das wollen wir mal nicht hoffen. Wir sind jedenfalls froh über die guten Nachrichten und hoffen, dass sich die “Neue Grippe” nicht noch weiter verbreitet. Bei den Vorsichtsmaßnahmen die hier in Mexiko getroffen werden, bin ich mir sicher, dass auf nationaler Ebene die Verbreitung bald eingedämmt sein wird. Fast jeder trägt brav seinen Mundschutz, alles was Menschenansammlungen mit sich bringt ist abgesagt und der mexikanische Präsident Felipe Calderon hat bereits am Mittwoch der ganzen Nation empfohlen zu Hause zu bleiben. Im Radio wird alle zehn Minuten wiederholt, dass man sich immer wieder die Hände waschen und Körperkontakt vermeiden soll etc. Ob man das Ganze für übertrieben oder angemessen hält, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die sowieso schon durch die Wirtschaftskrise angekratzte mexikanische Wirtschaft leidet enorm unter diesen Umständen, vor Allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen und der Tourismus. Wir hoffen, dass der Wahnsinn bald ein Ende hat und Mexiko nicht für immer das Seuchen-Image behält. Das Land hat so viel Kultur, Natur und tolle Menschen zu bieten und es wäre schade wenn durch solch ein Ereignis niemand mehr Mexiko besuchen möchte. Ich persönlich denke, dass in zwei Wochen niemand mehr von der Schweinegrippe reden wird und sich alles wieder normalisiert, falls die Presse es zulässt. Dazu noch zum Abschluss ein kurzes Zitat von Alfred Polgar (1873-1955): “Die Presse hat auch die Aufgabe das Gras zu mähen, das über etwas zu wachsen droht.”

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